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Entfernung
von Gipsschichten auf mineralischen Wandmalereien mit Pasten
am Beispiel der Herz- Jesu- Kirche in Berlin
Lösungen
von Ammoniumcarbonat in Wasser werden seit langem genutzt,
um Gipskrusten, die sich durch atmosphärische Einflüsse
auf calcitischen Untergründen gebildet haben, zu entfernen
[1] [2] . Auch hier ist es oft sinnvoll, das
Ammoniumcarbonat als reaktiven Bestandteil in einer Paste
oder einer Kompresse einzusetzen. Das nachfolgende Beispiel
soll zeigen, dass auch sehr empfindliche Oberflächen, wie
Fassungen und Wandmalereien auf diese Weise von störenden
Vergipsungen befreit werden können.
Die
Herz- Jesu- Kirche in Berlin- Prenzlauer Berg ist bekannt
für ihre Wandmalereien, die 1911 von dem Kirchenmaler
Friedrich Stummel in Keim´scher Mineralfarbentechnik ausgeführt
wurden. Jahrzehntelange Schäden am Dach hatten dazu geführt,
dass an zahlreichen Stellen durch Feuchtigkeitseinflüsse
Wandmalereien und Putz abblätterte. Einige Bereiche im Gewölbe
waren vermutlich längere Zeit nur mäßig durchfeuchtet,
d.h. die Wandmalereien waren noch erhalten, doch hatte sich
hier - bedingt durch den hohen SO2-Gehalt der
Luft - eine deutlich erkennbare Vergipsung der Malschicht
ergeben. Abgesehen davon, dass eine Überarbeitung
vergipster Flächen mit Wasserglasfarben große Probleme
bereiten kann, sollte bei der gegenwärtig stattfindenden
Restaurierung auch an allen Stellen die originale Farbigkeit
wiederhergestellt werden.
Durch Gipsanreicherungen verursachte Verfärbungen
haben meist ein dunkles Aussehen. Dies liegt daran, dass
die nadelförmigen Gipskristalle Staubpartikel
"festhalten" und bei der Kristallbildung
teilweise inkrustieren. In der restauratorischen Praxis
werden zum Entfernen von Gipskrusten oft Lösungen von
Hydrogencarbonat in Wasser eingesetzt. Dabei werden
die Lösungen aufgesprüht und der Überschuss
abgetupft. Dieses Vorgehen ist zeitaufwändig und birgt
die Gefahr, dass bei stark saugenden Untergründen zu
große Mengen an Ammoniumhydrogencarbonat
in tieferen Schichten angereichert werden und sich dort
nur langsam zersetzen. Sehr viel günstiger ist es, das
Ammoniumhydrogencarbonat als reaktiven Bestandteil in
einer Paste einzusetzen. Es ist dann ausreichend, mit
einer Ammoniumhydrogencarbonatkonzentration von 2 - 3
Masse% zu arbeiten.

Abb.1:
Schematische Darstellung der Gipsumwandlung in
Calciumcarbonat
Der
Mechanismus der Umwandlung von Gips in Calciumcarbonat ist
in Abb.1 schematisch dargestellt. Während sich überschüssiges
Ammoniumhydrogencarbonat langsam in gasförmige Bestandteile
(Kohlendioxid und Ammoniak) zersetzt, verbleibt das
gebildete Ammoniumsulfat im System. In der Regel ist die
Gesamtkonzentration jedoch gering, so dass keine Schädigungen
zu erwarten sind. Es ist aber vorteilhaft, wenn möglichst
viel des gebildeten Ammoniumsulfates bei der Abtrocknung in
der Kompresse angereichert wird. Dazu muss bis zur
Austrocknung ein möglichst guter kapillarer Kontakt der
Paste zum Untergrund vorhanden sein.


Abb.2 und3:
Decke in der Herz- Jesu- Kirche vor und nach der
Reinigung
Für
den speziellen Anwendungsfall in der Herz-Jesu-Kirche wurde
eine Paste konzipiert, die sich u.a. dadurch auszeichnete,
dass sie ein hohes Wasserrückhaltevermögen hatte und nach
der Abtrocknung besonders leicht zu entfernen war. Das
Wasserrückhaltevermögen kann durch Zusätze von
sogenannten Superabsorbern (Polyacrylaten) eingestellt
werden. Die Haftfestigkeit auf dem Untergrund nach der
Abtrocknung kann durch Zusätze von pyrogener Kieselsäure
auf das gewünschte Maß reduziert werden. Nach Abtrocknung der Paste fiel diese weitgehend von selbst ab
und musste dann nur noch an kleinen Stellen abgepinselt
werden. Die dunklen Vergipsungen konnten in einem
Arbeitsgang entfernt werden. Nachuntersuchungen
ergaben, dass der Gehalt an Ammoniumsulfat in den oberflächennahen
Schichten des Mauerwerkes nach der Behandlung sehr gering
war (< 0,001 Masse%). Trotzdem war es vor der
Restaurierung der Wandmalerei notwendig, die anderen, durch
eingedrungenes Regenwasser unmittelbar unter der Malschicht
angereicherten Salze zu entfernen.
[1]
Das Grabdenkmal Hirschfeld seine Marmorreinigung durch Rekarbonatisierung, Protz, A., Sähring, M. und Schulz, S., Naturstein 1996 Heft 5
[2]
The cleaning of the Hirschfeld Tomb by recarbonatisation of gypsum crust, Protz, A.,
Proc. VIII. Int.Congr. Deterioration and Conservation of stone, Berlin, 1996, S. 1387
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