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Beseitigung
von bräunlichen Verfärbungen von
Natursteinoberflächen
Bei
den Instandsetzungsarbeiten an
der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel in Berlin
(Abb. 1) war eine der denkmalpflegerischen
Zielstellungen, das ursprüngliche Erscheinungsbild der
Fassaden wiederherzustellen. Der Relieffries oberhalb
der Freitreppe, der aus einem sehr feinporigen, gelblich
weißen Kalkstein (Jaune Mouton) gearbeitet wurde, hatte
sich im Verlauf der Jahre durch Vergipsung und Deposit
dunkel verfärbt und sollte wieder seine ursprüngliche
helle Farbigkeit erhalten. Nach Abnahme der Gipskrusten
mit einem in Italien ausgearbeiteten Verfahren, bei dem
nahezu konzentrierte Ammoniumcarbonatlösungen
eingesetzt werden, verblieben bräunliche Flecken und
Reste von Gipskrusten auf dem Kalkstein, die – wie in
nachfolgenden Untersuchungen gezeigt werden konnte –
durch Eisenverbindungen verursacht wurden. Nicht exakt
geklärt werden konnte, ob diese Eisenverbindungen aus
dem Kalkstein stammten oder ob sie als Deposit aus der
Luft angelagert wurden.

Abb.1:
Die alte Nationalgalerie in Berlin nach der
Instandsetzung.
Nach
zahlreichen erfolglosen Versuchen der Restauratoren, die
Flecken mit verschiedenen Methoden zu entfernen, wurde
in unserem Labor eine Paste entwickelt, die neben
Superabsorbern und verschiedenen anorganischen
Füllstoffen Ammoniumhydrogencarbonat und
Aluminiumpulver als Reagenz enthielt. Nach einem
gründlichen Vorwässern des Kalksteines wurde die Paste
mit einer Schichtdicke von ca. 1 cm auf den Relieffries
aufgetragen und mit einer Folie abgedeckt, um ein
vorzeitiges Austrocknen zu verhindern. Nach einer
Reaktionszeit von einigen Tagen konnte die Folie
entfernt werden. Die Abb.2 zeigt die letzte Abtrocknungsphase
der Paste, bei der sich Schwindrisse bilden und die
Paste teilweise von der Unterlage abhebt.

Abb.2:
Beseitigung von bräunlichen Verfärbungen auf dem Relieffries an der Freitreppe der Alten Nationalgalerie in Berlin mit einer speziellen, reaktiven Paste. Die Aufnahme zeigt die aufgetragene Paste in der Abtrocknungsphase.
Abb.3
und 4: Relieffries vor und nach der Reinigung
Die Reste der
Paste konnten nach vollständiger Abtrocknung leicht und
ohne Rückstände abgebürstet werden. Mit dieser
Methode wurde der
gesamte Relieffries vollständig gereinigt und das
ursprüngliche Erscheinungsbild wiederhergestellt.
Inzwischen wurden mit dieser Paste mehrere andere
Objekte mit ähnlichen, durch Eisenverbindungen
verursachten Verfärbungen erfolgreich behandelt.
Westfassade des
Bodemuseums
Ein ähnliches
Problem war an einem Abschnitt der Westfassade des
Bodemuseums auf der Berliner Museumsinsel zu lösen. Bei
einem Rohrbruch während der Instandsetzungsarbeiten wurde
hier das Außenmauerwerk extrem stark durchfeuchtet. Im
Verlauf der nachfolgenden langsamen Abtrocknung wurde
beobachtet, dass sich die belastete Fassadenfläche aus
Rackwitzer Sandstein zunehmend braun verfärbte. Dies hätte
vermutlich verhindert werden können, wenn man sofort eine
geeignete Kompresse aufgetragen hätte.
Nach der
Abtrocknung wurde dann erfolglos versucht, die verfärbten
Stellen durch vorsichtiges Strahlen mit einem weichen
Strahlmittel zu reinigen. Die färbenden Eisenverbindungen
waren in der äußeren Schicht bis zu 2 mm tief
angereichert. Gleichzeitig konnten in dieser Schicht stark
erhöhte Anteile leicht löslicher Salze (überwiegend
Sulfate) und Gips nachgewiesen werden. Da es nicht möglich
war, den
Stein durch Sandstrahlen ca. 2 mm zurückzuarbeiten ohne die
Oberflächenstruktur grob zu verändern, musste für
diesen Anwendungsfall eine Paste konzipiert werden, die zwar
die oben beschriebenen reaktiven Bestandteile
(Ammoniumhydrogencarbonat und Aluminiumpulver) enthält,
beim Abtrocknen aber keine Schwindrisse bildet und nicht
vorzeitig von den zu behandelnden senkrechten Flächen abfällt.
Die Eisenverbindungen und die löslichen Salze können dann
bei der Austrocknung zu einem großen Teil in die Paste
einwandern und mit dieser entfernt werden. Auch hier wurden
zunächst Laborversuche durchgeführt und kleine Musterflächen
mit verschiedenen Pastenzusammensetzungen angelegt.

Abb.3:
Zustand nach dem Rohrbruch

Abb.4:
Zustand der Fassadenfläche nach der Reinigung
Die durch
den Rohrbruch verursachten Verfärbungen und der Zustand ca.
6 Monate nach der Behandlung sind in den Abbildungen 3 und 4
dargestellt. Der überwiegende Teil der behandelten Fläche
zeigte nach der 6
Monaten keine Veränderung. Lediglich im Bereich einer Fuge
zwischen zwei Bogensteinen an der Oberseite des Fensters
trat langsam wieder eine bräunliche Verfärbung auf. Leider
war diese Stelle nicht mehr zugänglich und es bestand keine
Möglichkeit, die Ursachen zu untersuchen. Es kann aber
angenommen werden, dass hier durch Schlagregen Wasser in die
Fuge eindringen konnte (Die Fassadenfläche liegt an der
Westseite!) und erneut Eisenverbindungen an die Oberfläche
transportiert wurden.
[1]
Die Alte Nationalgalerie – Geschichte, Bau und Umbau,
B.Maaz, Staatliche Museen zu Berlin, G+H Verlag Berlin,
2001
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